Der „Schlüssel von Bremen“ am 4. Juli 1992 in New York

Noch #40 Tage bis Abreise: Ist Kojencharter eine Option?

„Du bist doch niemand, der nur Leute durch die Gegend skippert…“. (mehrere gute Freunde)

Segeln und sich dafür bezahlen zu lassen – davon zu träumen ist das gemeinsame Kennzeichen aller Segelverrückten. Und manchmal, im Verlauf eines Lebens, öffnet sich eine Tür und es ergibt sich diese Chance. In meinem Leben gab es diese Chance bereits – und habe sie ungenutzt verstreichen lassen. 1992 in einem Nachtklub in Manhatten nach einer Regatta in New Yorker Hafen. Matze und ich, damals sowohl Universitätsstudenten als auch Bootsleute auf der „Schlüssel von Bremen“, hingen mit den Crews der Rennyachten “Steinlager II“ und „Merrit“ in den üppigen Ledercouchen der Bar ab. Tagsüber waren wir auf der legendären „Fazisi“, einer weiteren spektakulären Rennyacht, gegen die beiden Boote gesegelt. Das einzige sowjetische Boot, das jemals einen Achtungserfolg in der internationalen Offshore-Segelszene erlangte. Ein superradikales Boot, dass von einer internationalen Profi-Crew gesegelt wurde. Das war damals so, wie heute mit der „Hugo Boss“ von Alex „Mr.-Mast-Walk“ Thompson zu segeln. Oder für Nichtsegler: wie mit dem Rennrad des diesjährigen Tour de France-Gewinners eine Runde durch den Park zu drehen. Wir konnten uns an diesem Tag nichts Größeres vorstellen.

So kamen wir, beseelt von einem sensationellen Segeltag, am späten Abend, es muss so gegen 22 Uhr gewesen sein, in dem Nachtklub in Manhattan, Nähe Battery Park, an. Es gab Türsteher, eine coole Live-Band, wunderbare Ladies, Männer im Jacket, Longdrinks und Musik. Die meisten Gäste waren Profisegler, erkennbar am tiefbraunen Teint, Sonnebrillen und den Salzwasserfrisuren. Gastgeber war Bill Koch, welcher gerade den Americas Cup auf der „America Cube“ gewonnen hatte. An diesem Abend war diese Bar das Hauptquartier des internationalen Segelgeschäfts.

Ich stehe am Heck des Schiffes uns steuer, Matze steht mit der weißen Hose auf dem Vorschiff. Das Foto wurde aufgenommen anlässlich der 500. Jahrfeier der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus.
Ich stehe am Heck des Schiffes und steuere, Matze steht mit der weißen Hose auf dem Vorschiff. Das Foto wurde aufgenommen anlässlich der 500. Jahrfeier der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus.

„Hey Jungs, was wollt Ihr trinken?“ fragte uns Francesco, der italienische Skipper der „Merrit“. Er hatte tagsüber die leichtbekleidete Frau des Eigners, die sich auf dem Achterdeck der Merrit räkelte, durch den New Yorker Hafen gesegelt. Und er hatte nebenbei das Rennen knapp vor uns und „Steinlager II“ gewonnen. Wir waren alle Augenblicke an ihr und dem Heck der „Merrit“ vorbei gekreuzt, deswegen kannten wir Francesco‘s Gesicht und wussten, wer er war. „Ist das Bud kalt? … eins davon.“ „Ihr Jungs seit doch heute mit den Sowjets gesegelt. Ihr könnt doch segeln – ich brauche noch Crew für den Törn nach Genua. Wollt Ihr mit?“

Wow!! Mit einem der schnellsten Offshore-Boote seiner Zeit über den Atlantik. Und dazu noch bezahlt. Diese Chance hatten wir gar nicht gesucht. Sie war unerwartet zu uns gekommen. Die kommenden zwei Tage stritten Matze und ich, ob wir den „Schlüssel von Bremen“ – gesegelt von einer erstklassigen Amateurcrew – verlassen und ins Profilager wechseln sollten. Das Zeug dazu hatten wir – nur hieße das auch, den vorgesehenen Weg durch Studium, Berufseinstieg, geregeltem Leben aufzugeben. Zugunsten von Profisegeln und unterwegs sein.

Wir haben uns dagegen entschieden: Matze wurde von seiner Familie in Deutschland eingebremst. Sein Vater war sehr erfolgreich in der Segelindustrie und hatte diverse Admirals Cup-Regatten gewonnen. Er wußte, worum es ging. Und ich dachte: Warum nicht segeln UND ein normales Leben führen – anstatt nur in Hotels fern von der Familie zu sein. Das dieses für mich nicht wirklich funktionieren kann, habe ich erst neun Jahre später verstanden. Und dann hat es noch weitere 15 Jahre gedauert, bis ich mich tatsächlich für das Segeln bezahlen lassen habe. Und die Reise „8 Inseln im Balearenmeer“ geplant und gesegelt habe. Kojencharter. Meine Freunde sagten entweder: „Ich komme auf jeden Fall mit – irgendwann einmal…“ oder „Das wird Dir zu wenig sein. Du bist doch niemand, der nur Leute durch die Gegend skippert…“. Hier beginnt die Geschichte – ich habe mich das erste mal mich für das Segeln bezahlen lassen: mit Kojencharter. Kojencharter bleibt auf jeden Fall eine Option.

Beitrag teilen:

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.