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Planung für Atlantic Circle 2019/2020
(12.000sm)

Am 1. August 2019 legen wir in Port Ginesta zur Atlantikrunde ab. Korrekt ausgedrückt ist es die klassische Nordatlantikrunde – mit den Passatwinden in die Karibik und dann über Bermudas und die Azoren wieder zurück nach Europa. Die Strecke ist etwa 12.000sm lang und wir planen dafür etwas mehr als ein Jahr, die Steffen vor 25 Jahren schon einmal, allerdings in vier Monaten mit wechselnden Crews gesegelt ist.

Von Port Ginesta geht es nach Malaga und Gibraltar. Das sind etwa 500sm, für die wir etwa 3,5 Tage auf See brauchen – wir nehmen uns dafür vier Wochen. Unser Plan ist, keinen Plan zu haben. Nach den intensiven Vorbereitungen der letzten Monate werden wir unsere Taktfrequenzen dem Blauwassersegeln anpassen. Wahrscheinlich werden wir tagelang irgendwo vor Anker liegen und abwarten, bis sich das nächste Wind- und Wetterfenster auftut. Wir wollen uns langsam an das Leben unterwegs gewöhnen.

Von Gibraltar aus geht es mit Kurs Südsüdwest auf den Atlantik, mit weitem Abstand zur marokkanischen Küste. Die Küste ist navigatorisch nicht ganz einfach – Fischernetze, wenige Leuchfeuer, Häfen mit zu geringem Tiefgang und mögliche Legerwallsituationen (Wind-bläst-Boot-auf-die-Küste). Tanger und Essaouira stehen auf der Anlaufliste. Unklar ist noch, wie es dem Bordhund in einem islamischen Land ergeht. Anschließend werden wir Fuerteventura anlaufen. Geplant ist, in den sechs Wochen etwa 650sm zu segeln, was etwa fünf Tagen auf See entspricht.

In diesen sechs Wochen werden wir die Kanaren und Kapverden erkunden. Auf Teneriffa möchten wir etwas mehr Zeit verbringen. Ingesamt werden wir etwa 900 bis 1.100sm segeln – je nach Wind und Laune. Begleiten werden uns zwei weitere Familienmitglieder.

Von Mindelho, der Hauptstadt der Kapverden, geht es mit frischem Proviant und Diesel auf dem 15. nördlichen Breitengrad direkt nach Westen, Richtung Martinique. Das sind 2.100sm in den Passatwinden, die hoffentlich konstant mit 15 bis 25 kn aus einer Richtung wehen. Dezember ist der optimale Monat: die Wassertemperaturen auf der Route sind deutlich unter 26,5 Grad gesunken. Damit ist eine Begegnung mit einem Hurrikan ausgeschlossen. Hingegen wird der Nordost-Passat, der als „Backstagenbrise“ auf der gesamten Strecke 24 Stunden am Tag konstant schräg von hinten weht, plus die nordäquatoriale Strömung des Atlantiks die ARGO im Schnitt 150 bis 180sm am Tag zurücklegen lassen, so dass die Passage 15 +/-3 Tage dauern wird. Zwei Wochen, in denen die Sonne im Heckkorb aufgeht und im Bugkorb untergeht. Die Crew wird ergänzt um drei erfahrene Segler. Bei Ankunft auf der Westseite des Atlantiks müssen wir auf die „Christmas Winds“ vorbereitet sein, die um den Jahreswechsel mit bis zu 30kn aus Nordost wehen und eine hohe Dünung aufbauen können.

Nach den Feiertagen werden wir die Leeward Islands abklappern, dann an Puerto Rico, der Domikanischen Republik und Haiti vorbeisegeln. Das meiste sind Tagestörns von 40 bis 60 am Tag, plus einige Passagen. Welche Inseln wir genau anlaufen, werden wir entscheiden, wenn wir dort sind. In den Buchten werden wir sicher viele Cruiserfamilien treffen, die uns gute Tipps geben können. Diese Etappe ist insgesamt 1.000 bis 1.200sm lang (das entspricht 8 bis 10 Seetagen, die wir allerdings in vielen kleinen Etappen segeln werden) und endet in Santiago de Cuba.

Nachdem wir in Santiago de Cuba bei der Guarda Frontera einklariert haben, werden wir Richtung Westen um das Cabo Cruz zu den Jardines de la Reina segeln. Vielleicht wird unsere Zeit an den Cays und zwischen den Mangroven der Höhepunkt der gesamten Reise. Nach etwa drei Wochen werden wir in Cienfuegos anlanden und dann für etwa drei Wochen das Land erkunden. „Wie die DDR in den Sechzigern, nur auf Spanisch…“ schrieb mir ein Segler, der mir sein Calder-Cruising Guide und seine Kuba-Seekarten überlassen hat. Anschließend geht es wieder zurück nach Santiago de Cuba, wo wir Proviant und Diesel für die anstehende Passage nach Bermudas ergänzen wollen. In diesen zwei Monaten werden wir nur etwa 700sm segeln – wir wollen das Land kennenlernen. Die Crew wird aus weiteren Familienmitgliedern bestehen.

In Santiago de Cuba stoßen zwei erfahrene Segler dazu, einer von beiden gleichzeitig begnadeter Gitarrenspieler. Von Kuba geht es über die Bahamas nach Hamilton/Bermudas. Navigatorisch ist diese und die nächste Passage die herausforderndste der gesamten Reise. Denn wir starten die Reise gegen den Strom und die vorherrschenden Winde. Außerdem müssen wir zunehmend auf Tiefdrucksysteme achten, die von der amerikanischen Ostküste heranrauschen. Gleichzeitig sind die Bahamas sehr flach, was mit unserem Tiefkieler eine zusätzliche Herausforderung ist. Die Entfernung beträgt etwa 1.200sm, das bedeutet, dass wir in diesen vier Wochen mindestens acht Tage auf See verbringen werden.

Nachdem wir auf den Bermudas die Crew getauscht und den Proviant ergänzt haben, werden wir auf ein gutes Wetterfenster Richtung Azoren warten. Dann wird es – abhängig von der Lage des Azorenhochs – mit nordöstlichem Kurs hinaus auf den Atlantik gehen. Wir müssen einerseits auf heranziehende Tiefdruckgebiete aus Westen achten und dürfen nicht in die Schwachwindgebiete des Azorenhochs hinein geraten. Denn wir haben nur 560sm Tankreichweite – und Bermudas – Horta sind 1.800sm Luftlinie. Das sind in etwa 12 +/- 2 Seetage. Auch hier wird die Crew wieder um zwei erfahrene Segler ergänzt.

Endlich wieder Inselhopping – die Azoren sind vielversprechend, liegen allerdings schon etwa eine volle 24-Stundenreise auseinander. Und wir wollen etwa am 20. Juli in Cadiz ankommen. Diese Passage ist auch nicht frei von möglichen Wetterüberraschungen, einschließlich hohem Seegang und starken Winden – schließlich sind wir immer noch Mitten auf dem Atlantischen Ozean. Zirka 1.200sm sind zurück zu legen. Die Crew wird um einen erfahrenen Segler und zwei Seglerinnen ergänzt.

Von Cadiz aus geht es die zirka 700sm zurück nach Barcelona und Port Ginesta, wo wir Mitte August ankommen werden. Und dann wird es ZAPP gemacht haben – und ein Jahr wird sehr schnell vorbei gegangen sein.