• “I’ve always wanted to sail to the South Seas, but I can’t afford it.” What these men can’t afford is not to go…. in the worship of security we fling our lives beneath the wheels of routine—and before we know it our lives are gone.“ Sterling Hayden

    Unser Boot

Boot und Ausrüstung

Die ARGO Barcelona ist eine Lady mittleren Alters und ein echter Hingucker. Sie hat schöne, schnelle Linien, designed von Judel & Vrolic. Gebaut wurde die ARGO 2006 mit Baunummer 58 in Greifswald – sehr solide, schnell, mit modernem Design und haltbar. Unser Boot ist eine Hanse 461: 15 Meter lang, 12 Tonnen schwer, 110 qm Segelfäche und mit einem 75 PS YANMAR Turbodiesel. Unter Deck haben wir drei Kabinen mit jeweils zwei Schlafplätzen und zwei Bäder mit Toilette und Dusche. Der Salon ist bemerkenswert groß für ein Boot der 15m-Klasse, mit bequemer Couch und einer Lotsenkoje. Wir haben einen Watermaker und Solarpanels nachgerüstet und sind somit ziemlich autark unterwegs. Der Neupreis betrug damals 292.052€, hinzu kommt Ausrüstung wie Rettungsinsel, Schlauchboot mit Motor, Werkzeug, Ersatzteile, Seenotmittel, Handfunken usw.. Wir haben sie im Juli 2014 für ungefähr 30% des Neupreises mit 192 Motorstunden – quasi ungenutzt – in einem sehr guten Zustand einschließlich sämtlicher Ausrüstung übernommen.

In den letzten fünf Jahren sind wir etwa 2.000sm pro Jahr gesegelt, der Motorstundenzähler steht vor unserer Atlantikrunde bei 978h. Wir haben die ARGO gepflegt, ihre Ausrüstung schrittweise ergänzt und sie um einige Features erweitert.

Besonders für Segelboote, beim Segeln und bei zusätzlicher Ausrüstung kann man viel „dummes“ Geld ausgegeben. Wir haben uns umgeschaut und ein passendes Motto von Andy Shell (59-north.com) und John Harries (morganscloud.com) gefunden.

What Really Matters:

  • Keep the water out.
  • Keep the crew healthy.
  • Keep the keel side down.
  • Keep the mast up.
  • Keep the rudder on.
  • Everything else is small stuff.

Keep the water out

Eine Segelyacht muss aufrecht schwimmen. Ob sie schnell oder langsam segelt, bequem ist oder dabei gut aussieht, ist dabei bestenfalls sekundär. Unsere Hanse 461 wurde mit einem inneren Metallrack ausgeliefert, an dem der Kiel angebolzt ist und worauf der Mast steht. Im Falle schwerer Seen oder einer Grundberührung ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering (im Vergleich zu herkömmlichen Designs), dass der Bootsrumpf versagt und leck schlägt.

Zusätzlich haben wir einen einfachen akustischen Bilgenalarm eingebaut. Sollte die automatische Bilgenpumpe anspringen, plärrt eine Sirene und zeigt an, dass Wasser in das Boot eingedrungen ist. Alle Ventile werden auf Leichtgängigkeit und Dichtheit wöchentlich überprüft. Defekte Ventile und Verschlauchungen wurden getauscht. Im Winter 2018 haben wir an einem Leckbekäpfungstraining teilgenommen.

Keep the crew healthy

mögliche Symptome von Seekrankheit vergehen. Wir haben eine reichhaltige Bordapotheke dabei und kennen einige Hausmittel und life-hacks.
Auf Komfort brauchen wir nicht zur verzichten: wir haben bequeme Kojen, Kühlschrank und Tiefkühltruhe, Duschen und eine automatische Toilette. Die Bordbibliothek umfasst etwa 200 Bücher.

Sprechen wir kurz über die Gefahren des Hochseesegelns. Diese sind – rational betrachtet – selbstverständlich viel geringer als die im Berliner Großstadtdschungel. Es gibt keinen Verkehr, keine Umweltverschmutzung, Kriminalität gibt es nur in wenigen Geografien.
Die realen Gefahren beim Segeln sind Überbordgehen und Bootsbrände (siehe dazu auch Crashtest Boat.

Die Wahrscheinlichkeit, eine Person ohne Rettungsweste und Marker auf dem Meer auch bei gutem Wetter wiederzufinden, ist nach unserer Erfahrung minimal.

Deswegen gehen wir so gut wie nie aus dem Cockpit, das Bedienkonzept der ARGO erlaubt das. Ab 20kn Wind und nachts tragen wir automatische Schwimmwesten mit Lifebelts und elektronischem Marker (AIS-DSC). Bei Aktivierung der Schwimmwesten wird ein Alarm an Bord ausgelöst und die Position der Person-über-Bord auf dem Kartenplotter angezeigt. In die Schwimmwesten sind 2m-lange Dyneema-Leinen eingespleisst, die mit dem Bootshaken aufgenommen werden und an denen die Person wieder sicher an Bord gehievt werden kann.

Sollte unser Boot brennen – und das brennt wie trocknes Holz und Kunststoff, denn daraus besteht die ARGO – dann können wir nicht rechts ranfahren, aussteigen und die Feuerwehr rufen. Wir haben verschiedene Löschmittel und eine Rettungsinsel – wahrscheinlich primär für diesen Notfall.

Keep the keel side down

Die Gefahr des Kenterns im Sturm ist – bei einer ausgereiften Welle von mehreren Metern Höhe – zwar gering aber real. Es ist deutlich wahrscheinlicher, dass jemand über Bord fällt, das Boot auf Grund läuft oder brennt. Wir haben für diesen Fall einen Reihen-Treibanker (serial drogue) an Bord, der für unser Boot von Angus Coleman von der Firma Ocean Brake in England gefertigt wurde. Er verlangsamt das Boot, so dass es sich zwar vertikal in der Welle bewegt, aber kaum Fahrt durch das Wasser macht.

Ein Test des Treibankers liegt noch vor uns, und ich hoffe, dass ich mein theoretisches Wissen über den Jordan-Serial-Drogue und die Beobachtungen von Kapitän Voss von Schiffen im Sturm nie dem Praxistest unterziehen muss. Vom Segeln bei 60kn habe ich Erfahrungen- die muss ich aber nicht auf unserem Törn vertiefen – vielen Dank!

Keep the mast up

Die ARGO hat einen beeindruckenden Mast und eine gewaltige Segelfläche, die wir recht gut unterteilen können. Der Mast ist durch das Deck durchgesteckt und steht auf dem Metallrack am Schiffsboden. Das durchgelattete Grossegel hat kugelgelagerte Mastrutscher (zum schnellen Bergen) und drei aus dem Cockpit bedienbare Reffs. Neben Gennaker und Code Zero haben wir eine Stagfock mit etwa 15qm Segelfäche, die an einem separatem Kutterstag gesetzt werden kann. In diesem Fall können zusätzliche Backstagen aus Dyneema gesetzt werden, welche Biegung und etwaige Schwingungen des Mastes kontrollieren lassen.

Zu Testzwecken sind wir mit einer speziellen Crew bei 40kn am Wind gesegelt, was keine Schwierigkeit für die ARGO darstellte.

Kleinere Schäden an Segeln können wir an Bord mit unserer speziellen Segelnähmaschine reparieren. Unser Dacron-Grossegel und unserem Dacron-Vorsegel haben etwa 10.000sm auf der Uhr und sollten noch weitere 15.000sm halten.

Keep the rudder on

Ruderverlust bedeutet den ultimativen Kontrollverlust auf einem Segelboot. Ruder und Ruderquadrant sind bei der Hanse 461 extrem leicht zugänglich und können gut inspiziert und gewartet werden. Vor zwei Jahren haben wir eingedrungene Feuchtigkeit aus dem Ruderblatt entfernt.

Als Backup-Lösung beim Verlust des Ruders dient ebenfalls der Reihentreibanker. Er ist unterteilbar und man kann zumindest vor dem Wind damit Steuern. Auch das wartet noch auf den Realitätstest.

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